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Wolfgang Wurm, Lyrik
Texte
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Humus
Unter dem Nebel hält sich
Der Duft von den Feldern
Öffnet sich morgens
Fenster um Fenster
Der Rauch nach dem Sommer
Gibt den Hügeln die Asche
Der Lunge die Trauer
Steinige Nahrung der Seele
Tief will ich mich
In den Weinberg graben
Mit den Adern der Reben
Erkalten
Ich will die Wurzeln umarmen
Wenn das Wasser gefriert
Dann flüstere ich der Erde
Vom Ostermontag
Der Chor der Zikaden
Ist es ein
Singen
Sägen
Sirren
Mit Macht
Aus den Pinien
Durchdringt es
Die Hitze
Und sprichst du
Übertönt es
Mit Gleichmut
Dein Wort
Wenn du willst aber
Wird es Teil
Deiner Landschaft
Sardischer Mittag
In flirrender Hitze
Schattenlos
Brennt Abschiedswort
Auf meiner Zunge
Schmalspurgeleise
Reisebeschwert
Hartes Brot
Des Entsagens
Brandgerodet
Der Feigenhain
Ziegentritt
In die Irre
Distel hakt wider
In schrundigem Schuh
Der Pfad verwehrt sich
In Dornen
Die Tanzenden
Es ist ein
Spiel aus dem
Was wir
Liebe nennen
In vereinzelten
Stunden der
Hoffnung
Für wenige Zeichen
Über den
Zweifel erhaben
Der Geduld hat
Weil seine Rückkehr
Gewiss ist
Dann reichen wir uns
Augenblicke
Zärtlich verschlüsselt
Einig als wären wir
Sicher
Aus vollen Händen
Ein Blumenmeer
Verschwenderisch
Im Vertrauen
Näher am Abgrund
Wir wissen genau
Keiner wird
Den anderen
Halten
Gesinnte
Aufseiten der Guten
Sind wir ganz unter uns
Betreff: betroffen
Man kennt sich
Aus gegebenem Anlass
Eine Resolution
Das Pressebild
Besser ohne Prosecco
Geladene Gäste
Spenden beiläufig Beifall
Gefallsucht
Findet Gefallen
Satzungsgemäß
Ein entschiedenes Jein
Zum Recht des Unrechts
Auf Würde
Große Geister
Im Licht der Epoche
Stehn sie unnahbar
Niemals gebrochen
In ihrer Erkenntnis
Gezeichnete, freilich
Vom Leiden zerfurcht
An Gewöhnlichkeit
Und Verstellung
Nicht halbwegs im Reinen
Vor Block und Stafflei
Irrend durch
Nassfaule Gassen
Noch elender wenn sie
Morgens, allein
Zitternd in der Rache
Des Rausches
Und wissend, jeder Tag
Zwingt auch sie
In Zustimmung und
Bedürfnis
Balkonmatinee
Der Morgen geht
Noch im Mantel
Und barfuß
Du vor die Tür
Setzt dich taumelnd
Nach zu wenig Schlaf
Mit der linken Hand
Wärmst du die Zehen
Süchtig saugst du den
Rauch in die Lunge
Zwiegespräch
Kalter Lippen
Ein Bein übers andre
Die Finger durchs Haar
Die Asche drückst du
Im Schoß aus
Jeden Tag früher
Löscht Licht einen Traum
Immer öfter verlangst du
Nach Feuer
Stillste Nacht
Ganz leise rücken die Zeiger der
Innern Uhr Herzschlag
Für Herzschlag gen
Mitternacht vor
Leuchtfeuer spärlich
Vom Festland entfernt
Schicken wie Sternbilder
Weiß all die Namen
Erloschener in das Dunkel
Als Heimruf in stumme
Gebete das Meer ist
Gefroren der Weg
Ist so weit und wäre es
Wiederum möglich
Geysir
Lange genug
Das Feuer geschluckt
Angstvoll
Daran zu ersticken
Umrundeten wir einmal den Krater
Wieder und wieder
In Tiefen zu rasen
Auf glühenden Kern
Peitscht der Flutschwall
Zum Schein hielten wir uns an den Händen
Bis er emporschlägt, letztmals
Mit vernichtender Wut
Sich alles erschöpfend
Entfesselt
Eine Rückkehr wird es nicht geben
Jetzt kann er ruhen
Erdalter lang
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